Alexander Walendy

22. Januar 1938 – 29. Juni 2026

Der Hessische Russischlehrerverband trauert um Alexander Walendy, seinen langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden, der am 29. Juni 2026 verstorben ist.
Alexander Walendy war Russischlehrer am Landgraf-Ludwig-Gymnasium in Gießen. Über viele Jahre hinweg gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten des Russischunterrichts in Hessen. Von 1979 bis 2009 stand er dem Hessischen Russischlehrerverband als 1. Vorsitzender vor; anschließend blieb er dem Verband als Ehrenvorsitzender eng verbunden.

Die Arbeit von Alexander Walendy beruhte auf der festen Überzeugung, dass freundschaftliche Beziehungen zu Russland und zu den Menschen dort aufgebaut und gepflegt werden müssen — nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Russischunterricht war für ihn daher mehr als die Vermittlung einer Sprache. Er verstand ihn als Möglichkeit der Begegnung, als Zugang zu Kultur und Geschichte und als Beitrag zur Verständigung zwischen Ost und West. Diese Haltung prägte auch seine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern: Bereits sehr früh in der Perestrojka-Zeit organisierte Alexander Walendy für seine Russischkurse regelmäßig Austauschfahrten nach Russland und eröffnete jungen Menschen damit unmittelbare persönliche Begegnungen mit Land, Sprache und Kultur.

Besondere Verdienste erwarb sich Alexander Walendy um die Hessischen Russisch-Olympiaden, die seit 1977 im zweijährigen Rhythmus stattfanden. Während seiner Amtszeit wurden sie regelmäßig organisiert und dauerhaft im Verbandsleben verankert. Insgesamt vierzehn Olympiaden fanden unter seiner Leitung statt, davon vier in Gießen. Damit trug Alexander Walendy wesentlich dazu bei, dass die Olympiaden über viele Jahre hinweg nicht nur fachliche Wettbewerbe, sondern auch Orte der Ermutigung und der Begegnung für junge Russischlernende wurden.

Auch darüber hinaus war seine Verbandsarbeit von Verlässlichkeit, persönlicher Zuwendung und großer organisatorischer Genauigkeit geprägt. Alexander Walendy unterstützte die entstehenden Austauschbeziehungen in der Region und widmete sich mit besonderer Aufmerksamkeit der Betreuung der Mitglieder. Viele Kolleginnen und Kollegen erinnern sich daran, dass er die Mitglieder des Verbandes persönlich kannte und den Kontakt zu ihnen über Jahre hinweg pflegte. Seine regelmäßigen Rundbriefe im unverkennbaren Walendy-Layout — mit der Schreibmaschine verfasst, oft mit handschriftlichen Ergänzungen, mit charakteristischer Umrandung und Pressespiegel — waren ein wichtiges Medium der Information und des Zusammenhalts.

Mit großer Beharrlichkeit sorgte Alexander Walendy dafür, dass fachliche Materialien, Hinweise und Fortbildungsangebote die Kolleginnen und Kollegen erreichten. Er baute Kontakte zu Schulbuchverlagen mit russischem Angebot auf und pflegte sie, versandte die Informationshefte des Bundesverbandes und machte auf Fortbildungsveranstaltungen des Puschkin-Instituts in Moskau sowie des Bundesverbandes in Timmendorfer Strand aufmerksam. Auch die Verbindung zum Deutschen Russischlehrerverband hielt Alexander Walendy durch regelmäßige Kontakte und die Teilnahme an Sitzungen lebendig. Noch nach seiner Zeit als Vorsitzender des Hessischen Russischlehrerverbands nahm er als Vertreter Hessens an den Sitzungen des Deutschen Russischlehrerverbands teil.

Ein wichtiges Feld seines fachlichen Engagements waren für Alexander Walendy die einwöchigen Russisch-Fortbildungsveranstaltungen des Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung in der Reinhardswaldschule unter der Leitung von Heiner Zeller. Dort wirkte er an der kooperativen Erarbeitung der Russisch-Baukästen für den Unterricht mit. Nachdem diese institutionellen Strukturen weggefallen waren, blieb Alexander Walendy den vom Hessischen Russischlehrerverband eigenständig organisierten Fortbildungen in Marburg verbunden und nahm auch daran regelmäßig teil.

Neben seinem fachlichen und verbandspolitischen Wirken bleibt Alexander Walendy vielen als aufmerksamer, verlässlicher und zugewandter Mensch in Erinnerung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahreshauptversammlungen und Fortbildungen in Marburg erinnern sich an die „Äpfelchen aus dem eigenen Garten“, die er mitbrachte, für alle schälte und aufschnitt. In dieser kleinen Geste zeigte sich etwas von der Haltung, die seine Arbeit im Verband insgesamt prägte: Sorgfalt, persönliche Aufmerksamkeit und Verantwortung für die Gemeinschaft.

Mit Alexander Walendy verliert der Hessische Russischlehrerverband einen Kollegen, der den Russischunterricht in Hessen über Jahrzehnte mitgestaltet hat, einen beständigen Vertreter der deutsch-russischen Verständigung und einen Menschen, dessen Engagement weit über formale Ämter hinausreichte.

Wir bewahren Alexander Walendy ein dankbares Andenken.

Eine Trauerfeier mit Beisetzung von Alexander Walendy wird es nicht geben. Die Familie ist seinem Wunsch nachgekommen, seinen Körper der anatomischen Forschung der Justus-Liebig-Universität Gießen zur Verfügung zu stellen. Einen Ort des Trauerns gibt es auf dem Neuen Friedhof in Gießen.

Traueradresse:
Gisela Bamberger
Hessenstraße 50
35583 Wetzlar-Garbenheim

Wilhelm Lückel

15.08.1952 – 01.05.2026

Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von unserem Verbandsmitglied und langjährigem Vorsitzenden Wilhelm „Willi“ Lückel, der am 1. Mai 2026 verstorben ist.
Willi Lückel war Lehrer für Russisch und Englisch und bis zu seiner Pensionierung Schullei-ter der Vogelsbergschule Schotten. Über Jahrzehnte prägte er die Arbeit der Russischlehrerinnen und Russischlehrer in Hessen und in Deutschland: Von 1986 bis 2009 war er stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Russischverbandes, von 2009 bis 2019 Vorsitzender des Hessischen Russischlehrerverbands und seit 2018 Vorsitzender des Deutschen Russischlehrerverbands.


Sein Wirken war getragen von einer tiefen Begeisterung für Osteuropa, insbesondere für die Sowjetunion und später Russland, für die Menschen, Sprachen und Kulturen dieser Region. Früh führten ihn Reisen in die Sowjetunion; sein Leben lang blieb es ihm ein Anliegen, persönliche Begegnungen über Grenzen hinweg zu ermöglichen, Kontakte zu knüpfen und zu bewahren und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Entspannung des Verhältnisses zwischen West und Ost zu leisten.
Mit besonderem Engagement setzte er sich für die Verbreitung der russischen Sprache, Literatur und Kultur ein. Dafür wurde er 2016 mit der Puschkin-Medaille des internationalen Russischlehrerverbands MAPRJAL ausgezeichnet. Gemeinsam mit Dr. h. c. Barbara Karhoff machte er sich um die Wiederentdeckung der Spuren von Michail Lomonossov und Boris Pasternak in Marburg verdient. Als Mitorganisator initiierte er 1996/97 die Russischen Kulturwochen in Marburg mit Lesungen bedeutender Autoren wie Bulat Okudzhava und Tschingis Aitmatov. Auch an der Gestaltung der Feierlichkeiten zum 40. und 50. Jubiläum des Deutschen Russischlehrerverbands sowie zum 300. Geburtstag Michail Lomonossovs in Marburg war er maßgeblich beteiligt.
Ein weiteres zentrales Feld seines Wirkens waren die Olympiaden für Russische Sprache und Kultur auf Bundes- und Landesebene, deren Ausrichtung er mit seinem außergewöhnlichem Einsatz unterstützte und weiterentwickelte. Seit 2003 hat Willi Lückel in Kooperation mit dem LSI-Bochum die jährlichen TRKI-Sprachprüfungen für hessische Russisch-Lernende mit hohem persönlichen und zeitlichen Einsatz organisiert und durchgeführt. Auch in Institutionen zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen, unter anderem im Rahmen des Petersburger Dialogs und des Deutsch-Russischen Forums, brachte er sich aktiv ein und vertrat die Positionen der deutschen Russischlehrerbände.
Über viele Jahre organisierte er zudem Erholungsreisen für jugendliche Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nach Deutschland. In jüngerer Zeit engagierte er sich zudem für ukrainische Geflüchtete, denen er an der Vogelsbergschule Schotten ehrenamtlich Deutschunterricht erteilte.
Willi Lückel war mit Leib und Seele Russischlehrer. Er verband fachliche Überzeugung und Kompetenz mit menschlicher Zugewandtheit, organisatorischer Energie und großer Lebensfreude. Wir verlieren mit ihm einen engagierten Kollegen, einen unermüdlichen Förderer der deutsch-russischen Verständigung und einen lieben, lebenslustigen Menschen.