97 Russischschüler aus acht hessischen Schulen kamen am 29. und 30. Oktober 2026 an der Lichtenbergschule in Darmstadt zusammen, um gemeinsam zwei abwechslungsreiche Tage rund um die russische Sprache und die Kulturen Osteuropas zu erleben. Bereits zum dritten Mal fanden die Hessischen Sprachentage Russisch statt – und wieder einmal war es eine große Freude zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Kreativität die Jugendlichen dabei waren!
Ein vielfältiges Programm bot reichlich Gelegenheit, Neues zu entdecken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Mitarbeitende und Studierende des Instituts für Slavistik der Justus-Liebig-Universität Gießen luden zu spannenden Workshops über die slavischen Länder und ihre kulinarischen Traditionen ein. Besonders kreativ wurde es beim Filmdreh: In schulübergreifenden Gruppen entwickelten die Jugendlichen eigene russischsprachige Folgen der beliebten Zeichentrickserie „Маша и медведь“. Mit viel Fantasie, schauspielerischem Talent und Teamgeist entstanden neue Abenteuer von Mascha und dem Bären. Auch Darmstadt und seine Umgebung hatten einiges zu bieten: Bei Exkursionen zur Mathildenhöhe und zum Schloss Heiligenberg begaben sich die Teilnehmenden auf die Spuren russischer Geschichte und Kultur.
Im Mittelpunkt stand aber vor allem das, was die Sprachentage so besonders macht: das Kennenlernen anderer Russischlernender, die Freude an der gemeinsamen Sprache und der Austausch über Schul- und Stadtgrenzen hinweg. Gerade in Zeiten des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine möchten wir damit ein Zeichen für Frieden, Verständigung und die Vielfalt der Kulturen Osteuropas setzen.
Ein riesiges Dankeschön geht an die Lichtenbergschule Darmstadt für die herzliche Gastfreundschaft und die tatkräftige Unterstützung, an die Mitarbeitenden und Studierenden der Universität Gießen für ihr großartiges Engagement sowie an alle beteiligten Lehrkräfte und Helfer! Für die finanzielle Unterstützung danken wir der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Lichtenbergschule.
Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Hessischen Sprachentage Russisch!
Der Hessische Russischlehrerverband trauert um Alexander Walendy, seinen langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden, der am 29. Juni 2026 verstorben ist. Alexander Walendy war Russischlehrer am Landgraf-Ludwig-Gymnasium in Gießen. Über viele Jahre hinweg gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten des Russischunterrichts in Hessen. Von 1979 bis 2009 stand er dem Hessischen Russischlehrerverband als 1. Vorsitzender vor; anschließend blieb er dem Verband als Ehrenvorsitzender eng verbunden.
Die Arbeit von Alexander Walendy beruhte auf der festen Überzeugung, dass freundschaftliche Beziehungen zu Russland und zu den Menschen dort aufgebaut und gepflegt werden müssen — nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Russischunterricht war für ihn daher mehr als die Vermittlung einer Sprache. Er verstand ihn als Möglichkeit der Begegnung, als Zugang zu Kultur und Geschichte und als Beitrag zur Verständigung zwischen Ost und West. Diese Haltung prägte auch seine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern: Bereits sehr früh in der Perestrojka-Zeit organisierte Alexander Walendy für seine Russischkurse regelmäßig Austauschfahrten nach Russland und eröffnete jungen Menschen damit unmittelbare persönliche Begegnungen mit Land, Sprache und Kultur.
Besondere Verdienste erwarb sich Alexander Walendy um die Hessischen Russisch-Olympiaden, die seit 1977 im zweijährigen Rhythmus stattfanden. Während seiner Amtszeit wurden sie regelmäßig organisiert und dauerhaft im Verbandsleben verankert. Insgesamt vierzehn Olympiaden fanden unter seiner Leitung statt, davon vier in Gießen. Damit trug Alexander Walendy wesentlich dazu bei, dass die Olympiaden über viele Jahre hinweg nicht nur fachliche Wettbewerbe, sondern auch Orte der Ermutigung und der Begegnung für junge Russischlernende wurden.
Auch darüber hinaus war seine Verbandsarbeit von Verlässlichkeit, persönlicher Zuwendung und großer organisatorischer Genauigkeit geprägt. Alexander Walendy unterstützte die entstehenden Austauschbeziehungen in der Region und widmete sich mit besonderer Aufmerksamkeit der Betreuung der Mitglieder. Viele Kolleginnen und Kollegen erinnern sich daran, dass er die Mitglieder des Verbandes persönlich kannte und den Kontakt zu ihnen über Jahre hinweg pflegte. Seine regelmäßigen Rundbriefe im unverkennbaren Walendy-Layout — mit der Schreibmaschine verfasst, oft mit handschriftlichen Ergänzungen, mit charakteristischer Umrandung und Pressespiegel — waren ein wichtiges Medium der Information und des Zusammenhalts.
Mit großer Beharrlichkeit sorgte Alexander Walendy dafür, dass fachliche Materialien, Hinweise und Fortbildungsangebote die Kolleginnen und Kollegen erreichten. Er baute Kontakte zu Schulbuchverlagen mit russischem Angebot auf und pflegte sie, versandte die Informationshefte des Bundesverbandes und machte auf Fortbildungsveranstaltungen des Puschkin-Instituts in Moskau sowie des Bundesverbandes in Timmendorfer Strand aufmerksam. Auch die Verbindung zum Deutschen Russischlehrerverband hielt Alexander Walendy durch regelmäßige Kontakte und die Teilnahme an Sitzungen lebendig. Noch nach seiner Zeit als Vorsitzender des Hessischen Russischlehrerverbands nahm er als Vertreter Hessens an den Sitzungen des Deutschen Russischlehrerverbands teil.
Ein wichtiges Feld seines fachlichen Engagements waren für Alexander Walendy die einwöchigen Russisch-Fortbildungsveranstaltungen des Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung in der Reinhardswaldschule unter der Leitung von Heiner Zeller. Dort wirkte er an der kooperativen Erarbeitung der Russisch-Baukästen für den Unterricht mit. Nachdem diese institutionellen Strukturen weggefallen waren, blieb Alexander Walendy den vom Hessischen Russischlehrerverband eigenständig organisierten Fortbildungen in Marburg verbunden und nahm auch daran regelmäßig teil.
Neben seinem fachlichen und verbandspolitischen Wirken bleibt Alexander Walendy vielen als aufmerksamer, verlässlicher und zugewandter Mensch in Erinnerung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahreshauptversammlungen und Fortbildungen in Marburg erinnern sich an die „Äpfelchen aus dem eigenen Garten“, die er mitbrachte, für alle schälte und aufschnitt. In dieser kleinen Geste zeigte sich etwas von der Haltung, die seine Arbeit im Verband insgesamt prägte: Sorgfalt, persönliche Aufmerksamkeit und Verantwortung für die Gemeinschaft.
Mit Alexander Walendy verliert der Hessische Russischlehrerverband einen Kollegen, der den Russischunterricht in Hessen über Jahrzehnte mitgestaltet hat, einen beständigen Vertreter der deutsch-russischen Verständigung und einen Menschen, dessen Engagement weit über formale Ämter hinausreichte.
Wir bewahren Alexander Walendy ein dankbares Andenken.
Eine Trauerfeier mit Beisetzung von Alexander Walendy wird es nicht geben. Die Familie ist seinem Wunsch nachgekommen, seinen Körper der anatomischen Forschung der Justus-Liebig-Universität Gießen zur Verfügung zu stellen. Einen Ort des Trauerns gibt es auf dem Neuen Friedhof in Gießen.
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